D-2305 Werknummer 427

Die He 64 mit dem wohl bewegtesten und best-erforschten Schicksal. Sie wird wohl auch mit Abstand am meisten Flugstunden bis zu ihrem traurigen Abwracken zurückgelegt haben. Bitte lesen Sie auch unbedingt den Reisebericht des Überführungspiloten Elton nach Rhodesien , sowie den Austausch des Autors mit dem wohl letzten, lebenden Menschen, der dieses Flugzeug geflogen hat.

Zeit Zulassung Halter Bemerkungen
August 1932 D-2305 He GmbH, Warnemünde Teilnahme Europarundflug
als 'E2', Pilot
Junck/Mechaniker Beese
April 1933 G-ACBS Handley-Page Nachfliegen beim Namensträger der Auftriebshilfen
  K3596 Royal Aircraft Establishment Nachfliegen, Flugleistungsdatenermit-
tlung
1935 VP-YBI C.H. Perrem, Umtali,
Rhodesien
Einsatz als Privatflugzeug, Überführungsbericht hier
Februar 1950 VP-YBI Neville ‘Bowks’ Bowker,
Umtali, Rhodesien
Einsatz als Erkundungsflugzeug, um geeignetes Land für Tabakanbau zu finden Augenzeugenbericht Collen Bowker
1951 VP-YBI Louis Malloch, Umtali,
Rhodesien
Einsatz als Privatflugzeug
1952 VP-YBI   verschrottet


Die D-2305 im Europarundflug und umgerüstet auf das höhere Fahrwerk und den GipsyIII-Motor - anklicken zur Vergrößerung

Nachdem D-2305 im Europarundflug von Werner Junck mit dem 'Mechaniker' Beese erfolgreich den 14. Platz belegt hatte, wurde das Flugzeug im Werk umgerüstet. Dabei wurde ein anderes Fahrwerk eingebaut und die D-2305 mit einem Flugmotor DH Gipsy III ausgestattet. Im Dezember 1932 wurde sie nach England verkauft und zunächst unter der Kennung G-ACBS für die Firma Handley-Page angekauft. Ab Juli 1933 bis September 1935 wurde sie beim Royal Aircraft Establishment mit der Kennung K3596 untersucht.

die Karteikarte mit der englischen Zulassung, klicken zum Vergrößern

Die D-2305 als G-ACBS bei Handley Page

Dabei entstand die Studie 'Full scale Tests of Slots & Flaps Heinkel He.64' durch den englischen Luft- und Raumfahrttechniker Herbert Brian Squire (1909-1961).

Vorflug (Langsamflug) vor Sir Handley Page. Am Steuer: Capt. Cordes (Foto: Flight)
Capt. Cordes bei der Landung (Foto: Flight)


















Nach 1935 wurde das Flugzeug in Privathände verkauft und verließ Europa in Richtung Rhodesien: C. H. Perrem, ein Geschäftsmann aus Rhodesien hatte das Flugzeug erworben, und ließ es durch einen Freund, Mr. Elton, einem Farmer aus der Gegend von Umtali (heute: Mutare), nach Rhodesien fliegen. Dort erhielt die Heinkel die Kennung VP-YBI.





Ehepaar Perrem bei ihrem Ausflug nach England 1938 (Foto: Flight)
Herr Perrem besuchte dann mit Gattin in der Heinkel 1938 England. Nachdem das Flugzeug während des Krieges in Rhodesien stillgelegt war, unternahmen Herr und Frau Perrem bereits 1945 wieder eine lange Flugreise, die sie von Rhodesien (Zimbabwe) über Südwest-Afrika (Namibia) nach Südafrika und zurück brachte, insgesamt über 6000 Meilen. Nach Herrn Perrem, wohl die erste private Maschine im südlichen Afrika nach dem Krieg. Herr Perrem schrieb, dass die Heinkel stets ein sehr zuverlässiger Begleiter gewesen war, die ihm nicht nur bei den touristischen Flügen, sondern auch bei geschäftlichen Verabredungen treu gedient hatte. Dabei erwähnte er insbesondere die speziellen Langsamflugeigenschaften, die es ihm ermöglich hatten, auch auf den kleinsten Flugplätzen sicher zu starten und zu landen. Herr Perrem modifizierte die Cockpitverglasung, um das Fliegen sowohl mit offener als auch geschlossener Kabine angenehmer zu gestalten ("without the vibrational drumming one gets in a small cabin").
Herr Perrem verkaufte die Heinkel im Februar 1950 an Neville ‘Bowks’ Bowker, der sie zur Erkundung von Land für eine neue Tabakfarm im Norden Rhodesiens einsetzte.


Die VP-YBI im Einsatz als Erkundungsflugzeug bei den Bowkers

Und noch ein stimmungsvolles Bild aus Rhodesien


1951 wurde sie an Louis Malloch verkauft, der sie prompt bei einem Landeunfall schwer beschädigte


Die umgebaute VP-YBI in Rhodesien

Je nun! der letzte Zustand...


Insgesamt legte die Werknummer 427 mehr als 1000 Flugstunden zurück. 1952 ereilte die Werknummer 427 das Schicksal vieler Holzflugzeuge der 30er Jahre: Nachdem das Flugzeug 1952 in Belvedere airport, Salisbury (heute Harare) aufgegeben wurde, wurde sie dort verschrottet. Nach Angaben einer Zeitzeugin allerdings muss das Bild am Rand von Perrems Landestreifen in Umtali gemacht worden sein.

Letztes Update der angezeigten Seite: 28.05.2012